Die kleine Kolumne


Eine Legende berichtet – Herbert Köfer

 

© DDR TV ARCHIV

Vor 77 Jahren - am 9. September 1940 - habe ich meinen ersten Theatervertrag an der Landesbühne Breslau, Stadttheater Brieg, unterschrieben. 

Mit der Aufzählung aller meiner Engagements möchte ich Sie an der Stelle nicht langweilen, darum will ich hier nur das Deutsche Theater Berlin erwähnen, zu dessen Ensemble ich von 1950 bis 1952 gehörte. Eine schöne und vor allem für mich wichtige Etappe meiner künstlerischen Laufbahn, in diesem wunderbaren Haus, unter der Leitung des damaligen Intendanten Wolfgang Langhoff spielen zu dürfen. In dieser Zeit begann das Fernsehen mit seinen »Versuchsprogrammen « und man fragte mich, ob ich Interesse hätte, am Aufbau diese neuen Mediums mitzuarbeiten. Ich weiß heute nicht mehr, ob es Neugier oder Lust auf Abenteuer war, jedenfalls kündigte ich meinen Theatervertrag und wurde der erste festangestellte Schauspieler des damaligen Fernsehzentrums Berlin. Meine Theaterkollegen lachten sich kaputt: »Der Herbert macht Fernsehen und kein Mensch sieht ihn!« 

Es gab etwa 10 Fernsehgeräte im Lande aber nur einen »echten « Fernsehzuschauer, der sich ein Gerät aus der damaligen Sowjetunion mitgebracht hatte. Dieser Zuschauer rief nach jeder Sendung an und berichtete, wie ihm diese gefallen hätte. Es wurde täglich von 20.00 – 22.00 Uhr gesendet. Ich sprach die Nachrichten der »Aktuellen Kamera« und später führte ich auch durch verschiedene Rätselsendungen, in denen »unser« Zuschauer regelmäßig den 1. Preis gewann (er war ja natürlich auch der einzige, der geschrieben hatte). Um es kurz zu sagen: ich habe in den ersten Monaten des Fernsehen an fast allen Sendungen mitgearbeitet.

Mein Arbeitsplatz war ein winziges, geradezu beängstigend enges, durch das Scheinwerferlicht brütend heißes Studio. Einmal bekämpfte ich die Hitze, indem ich von Ansage zu Ansage Jackett und Krawatte ablegte und dazu noch Bier aus den vier absichtlich mit im Bild stehenden Bierflaschen trank. Nicht nur mir, sondern auch dem Bier wurde warm. Erhitzter Alkohol verdreifacht ja bekanntlich seine Wirkung. Zwei Flaschen hatte ich im Sendeverlauf bereits geleert, als mein immer mehr aufgeräumtes Wesen dem Sendeleiter »verdächtig« vorkam. Auch fand er den von mir gesprochenen Text in dem  »genehmigten« Manuskript nicht. Und so robbte er unversehens auf den Knien durchs Studio zum Sprechertisch, und die Zuschauer sahen, wie von »Geisterhand« die noch vollen zwei Bierflaschen von ihm beiseite gebracht wurden. Eigentlich war ich dabei, eine kleine besinnliche Geschichte zu erzählen; daraus wurde nun nichts. Dafür war es vielleicht die Geburtsstunde der ersten Unterhaltungssendung.

Mein kleiner Beitrag reicht natürlich nicht aus, um über 40 Jahres Fernsehen der DDR zu berichten. Darum sollen diese Zeilen nur der Heiterkeit am Rande der ernsthaften Fernseharbeit gehören. Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, auf alle Fälle war ich in der Sendung am 9. Mai 1953 der Direktor in einem Flohzirkus. In einem Wanderzirkus hatte ich mir mal angesehen, wie man sowas machen kann. In unserem Studio wurde ein kleiner Flohzirkus bestehend aus 8 leeren Streichholzschachteln aufgebaut. Die »Flöhe« mußten Seillaufen, Saltos drehen und es gab ganze Flohparaden. Bekannte Kabarett-Autoren waren für die Texte verantwortlich. Die Sendung wurde ein voller Erfolg. Als wir am nächsten Tag unser kleines Zimmer-Studio betraten, wunderten wir uns über einen sehr unangenehmen Geruch, der uns zwang, den Raum schnell wieder zu verlassen. Der Aufnahmeleiter hatte meine »Flöhe« zu ernst genommen und Ungeziefervernichtungsmittel im Raum versprüht. »Falls einer ausgerissen ist!«, sagte er. Wir haben ihn in seinem Glauben gelassen und ich war mächtig stolz darauf, dass es mir gelungen war, die vielen nicht vorhandenen Flöhe so »glaubhaft« auftreten zu lassen.

Vierzig spannende und erfolgreiche Jahre des Deutschen Fernsehfunks sind jetzt Erinnerung. Wie heißt ein Titel der »Prinzen«? - »Es war nicht alles schlecht«.

In diesem Sinne - Alles Gute!

Ihr Herbert Köfer

Herbert Köfer ist ein Unterhaltungskünstler, der im ostdeutschen und späteren gesamtdeutschen Fernsehen überaus präsent ist. Das Fernsehen der DDR hat er mit aus der Taufe gehoben und die letzte Sendung moderiert.


© Herbert Köfer

Autor: Herbert Köfer


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